Interview mit der 1. Vorsitzenden Uschi Samples

Newsletter: Liebe Uschi, zunächst herzlichen Glückwunsch zu deiner erneuten Wahl zur Vorsitzenden der Sektion. Direkt zu Beginn deiner Amtszeit hat die Newsletter-Redaktion ein paar Fragen an dich:
Welche Ziele verfolgst Du nach deiner erneuten Wahl zur 1. Vorsitzenden des DAV?

Uschi: Der DAV, insbesondere unsere Sektion, wächst ungebremst. Wir haben inzwischen 3.782 Mitglieder in allen Altersklassen und mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen und Anforderungen an die Sektion. Vielen geht es zwar nur um die Vorteile bei Touren und die Versicherung. Ein beträchtlicher Anteil zeigt aber Interesse, sich aktiv zu betätigen. Dies zu ermöglichen, ist eines meiner Ziele. Durch das zunehmende Bewusstsein – auch junger Menschen – für die Notwendigkeit, mit der Natur sorgsamer umzugehen, wächst auch die Bereitschaft, zu handeln, Umweltverträgliches handeln zu lernen und ein umweltverträgliches Naturerlebnis zu vermitteln. Und das nicht nur in den fernen Alpen sondern vor Ort. Die Anmeldezahlen für den „Stadtputztag“, der leider Corona zum Opfer gefallen ist, zeigen mir das vorhandene Interesse. Ich glaube, dass ein ganzheitlicher Naturschutz uns vor massive Herausforderungen stellt und es immer wieder eine neue Suche nach Formen des Engagements geben muss. Ich möchte Menschen für das Ehrenamt begeistern. Dafür darf es keine festen Strukturen geben und man muss auch ermöglichen, dass Aktive nicht lange an Aufgaben gebunden sind. Die Zeiten haben sich geändert. Darauf muss man reagieren. War es früher normal, dass an einem bestimmten, wiederkehrenden Termin z. B. eine Wanderung des DAV stattfand, treten heute andere Termine in den Vordergrund und es kommt vermehrt – auch kurzfristig – zu Absagen, weil Anderes wichtiger ist. Darauf muss man reagieren.

Newsletter: Warum steht der Naturschutz im Vordergrund?

Uschi: Weil man einen langen Atem braucht in Naturschutzdingen. Veränderungen brauchen hier besonders viel Zeit und die Einsicht, dass man sich auch von seinen im Laufe der Jahre lieb gewonnenen Verhaltensweisen verabschieden kann und muss. Natürlich tickt die Uhr und die „Fridays for future“ Generation, die sich für möglichst umfassende, schnelle und effiziente Klimaschutz-Maßnahmen einsetzt, ist ein Beispiel dafür, dass sozial und global etwas bewegt werden kann. Aber wer will schon auf das Auto verzichten, wenn er in die Berge zu einem abgelegenen Ort möchte? Gibt es genug Alternativen? Man hat sich doch daran gewöhnt, billiger fliegen, als mit der Bahn fahren zu können. Verzichten wir darauf aus Überzeugung und jetten nicht quer durch Deutschland oder schnell mal in die Sonne. Wer möchte generell auf Fleisch verzichten? Vermeiden wir Plastik. Es gibt so viele verschiedene Ansätze, die genauso verschieden sind, wie die Menschen. Dem muss man versuchen, gerecht zu werden. Die Bereitschaft wecken, das ist die Aufgabe. Letztendlich ist der Ruf nach Veränderung da, aber der Weg dorthin scheint so schwer zu fallen. Bei unseren Baumpflanzaktionen waren keine Horden von jungen Menschen, das Angebot wie z. B. die Teilnahme an Reinigungsaktionen im Siebengebirge oder am Rhein gab es bei uns bislang nicht, die Corona-Krise verzögert die Anschaffung des Tourenbusses, usw. Wir müssen uns konsequent erneuern und erweitern, um z. B. neue Wege in die Alpen zu finden. Die Corona-Krise hat uns zurückgeworfen, die vielfältigen Herausforderungen bleiben. Selbstverständlich ist der Naturschutz nur ein Aspekt. Es geht beim DAV um die Freude an der Bewegung, die Gesundheit und Erholung für Körper, Geist und Seele, das intensive Erleben von Natur und sich selbst sowie die Auseinandersetzung mit Kultur, Geschichte und Tradition.

Newsletter: Ab wann möchtest du denn beginnen?

Uschi: Ich habe damit nie aufgehört. Der Einsatz für den Natur- und Umweltschutz ist nicht an ein Amt gebunden ist. Wir sind eine Gemeinschaft, die wir selber gestalten können. Auf mich alleine kommt es dabei nicht an. Aber der DAV, das sind eben nicht nur die anderen, das ist man selbst. Jedes Mitglied kann aktiv werden und mitbestimmen. Für mich bedeutet das, dass ich als Vorstandsvorsitzende ständig das Gespräch suchen muss mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Das kann ich natürlich mit Nachdruck, wenn ich Vorsitzende eines so großen Vereins im Rhein-Sieg-Kreis bin. Dabei muss es eine Menge an Kommunikation und Kooperation geben und dafür setze ich mich ein.

Newsletter: Welche Menschen glaubst du damit anzusprechen?

Uschi: Primär die junge Generation, denn ich möchte, dass der JDAV enger mit dem DAV zusammenarbeitet und es hier zu mehr Schnittpunkten kommt. Aber auch Menschen, die sich den DAV nur als „Kletterverein“ vorstellen und erkennen, dass wir uns für viel mehr einsetzen, als Bergsport, Bergsteigen und Alpinismus. Entsprechend unserem Leitbild leben wir von der Vielfalt und Lebendigkeit unserer Sektion und ihren Gruppen. Wenn die Gruppen auseinanderfallen, muss man etwas anders machen, damit man die Mitglieder bindet. Ich möchte aber auch die Zahl der weiblichen Ehrenamtlichen fördern, weil ich davon überzeugt bin, dass gemischte Führungsteams bessere Entscheidungen treffen.

Newsletter: Welche Maßnahmen willst du ergreifen?

Uschi: Konsequente Förderung unserer Trainer und Wanderleiter, Investition in Ausbildung und Material, Förderung junger Athleten, Steigerung des Zusammengehörigkeitsgefühls auch durch neue Vereinsshirts, eine Aktion „Gib dem Dreck einen Sack“, rege Zusammenarbeit mit unseren Sponsoren, Ausweitung der Kooperationen mit Schulen, Kletterhallen und Naturschutzverbänden, eine schnelle Umsetzung des Kaufs des Sektionsbusses, um nur mal einige Punkte zu nennen. Die Liste ist lang. Ich bin davon überzeugt, dass wir im neuen – sehr jungen Team – viele Gesprächsthemen haben werden, die weit über dies hinausgehen. Ich freue mich darauf.

Newsletter: Besten Dank für deine Zeit, unseren Leserinnen und Lesern dein Programm zu erläutern. Wir wünschen dir stets eine glückliche Hand bei der Ausführung der Tätigkeit im Sektionsvorstand.